Neues rund um den Global Marshall Plan




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Neun von zehn Deutschen fordern neue WirtschaftsordnungNeun von zehn Deutschen fordern neue Wirtschaftsordnung
Die Krise scheint überwunden, doch sie hat die Einstellung der Deutschen nachhaltig verändert: Eine große Mehrheit sieht den Kapitalismus laut einer Umfrage inzwischen äußerst skeptisch - und sehnt sich nach einer neuen Wirtschaftsordnung.

Quelle: Spiegel online

Hamburg - Es sind bemerkenswerte Zahlen: 88 Prozent der Deutschen wünschen sich eine "neue Wirtschaftsordnung". Der Kapitalismus sorge weder für einen "sozialen Ausgleich in der Gesellschaft" noch für den "Schutz der Umwelt" oder einen "sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen". Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben, aus der die "Zeit" zitiert.

Droht nun die Revolution? Wohl kaum. Denn die Bürger sind eher nachdenklich als wütend: Sie sehen die Verantwortung nicht nur bei Politikern und Wirtschaftsführern, sondern auch bei sich persönlich. Laut "Zeit" sind vier von fünf Deutschen der Ansicht, dass "jeder seine Lebensweise dahingehend überdenken sollte, ob wirtschaftliches Wachstum für ihn alles ist". Soziale Beziehungen, Gesundheit und Umweltbedingungen sind einer großen Mehrheit wichtiger als "Geld und Besitz zu mehren".

Die Deutschen sind sich in ihrer neuen Werteordnung quer durch alle Schichten außerordentlich einig. So stimmten der Aussage "Wohlstand ist für mich weniger wichtig als Umweltschutz und der Abbau von Schulden" 75 Prozent der Befragten mit Abitur, aber auch 69 Prozent jener mit Hauptschulabschluss zu.

Durchaus optimistisch sind die Deutschen, dass sich das System in die richtige Richtung verändern lässt. Nach Angaben der "Zeit" hält es eine Mehrheit der Befragten für möglich, dass sich Wachstum und Umweltschutz miteinander vereinbaren lassen, den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt.

82 Prozent halten weiteres Wachstum sogar für unabdingbar für politische Stabilität. Die sprichwörtlichen "Selbstheilungskräfte des Marktes" hält hingegen nur noch ein Drittel für glaubhaft, insbesondere die Jungen sind in diesem Punkt skeptisch. Ebenfalls zwei Drittel erwarten nicht, dass der Wirtschaftsaufschwung automatisch auch ihre private Lebensqualität steigern wird.

fdi

 

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Lifestyle, Konsum und WTO und die Folgen der GlobalisierungLifestyle, Konsum und WTO und die Folgen der Globalisierung
Münchner Lokalgruppe wirkt bei "Lotsen für die Eine Welt" mit

Die Global Marshall Plan Gruppe München ist eine von rund 60 Mitgliedsgruppen des Münchner Nord Süd Forums e.V. Dieser Eine-Welt-Verein veranstaltet regelmäßig Lotsenseminare, in denen sich Menschen, die für eine solidarische und gerechte Welt eintreten, weiterbilden.

Das diesjährige Lotsenseminar mit dem Thema "Hindernis oder Hilfe: Was internationale Institutionen und Abkommen für die Zivilgesellschaft und die Eine Welt bedeuten können" wurde maßgeblich von Mitgliedern der Global Marshall Plan Lokalgruppe München mit gestaltet.

Die über 30 Teilnehmer setzten sich bei der Veranstaltung im Eine Welt Haus in München v.a. mit den Menschenrechten und ihrer Bedeutung für die eigene Entwicklungsarbeit auseinander. Bei den Eröffnungsvorträgen am 30. Juli stand der globale Ordnungsrahmen als grundlegender Einflussfaktor auf die Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung von Menschenrechten im Vordergrund.


  
Im ersten Vortrag beleuchtete Dr. Botho Kickhöfer (Global Marshall Plan Regionalgruppe München) Auswirkungen und Erkenntnisse der Globalisierung im historischen Kontext und berichtet über die Entstehung internationaler Organisationen als zwangsläufige Folge einer zunehmend globalisierten Welt. Die UNO als neuer Völkerbund wurde darauf in Ihrer Struktur, den Aufgabenbereichen und Möglichkeiten ihrer Haupt-, Neben- und Sonderorganisationen detailliert beschrieben und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Zivilgesellschaft kritisch hinterfragt.

Edwin Busl (Global Marshall Plan Regionalgruppe München) bei seinem Vortrag über WTO, IWF und Weltbank. Auch hier wurde von der Entstehung über die Strukturen bis zu den aktuellen Aktivitäten ein weiter Informationsbogen für die Teilnehmer gespannt, der letztlich in der kritischen Fragestellung mündete, ob diese Organisationen und damit auch Ihre Struktur und Aktivitäten eher nutzbringend oder schädlich sind und inwieweit Veränderungen und Reformen denkbar und sinnvoll sein könnten.

Marlies Olberz (FIAN, Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) bei Ihrem Vortrag über wirtschaftliche soziale und kulturelle Rechte und ihre Bedeutung.
Hier erhielten die Teilnehmer einen ausführlichen Überblick über Entstehung und Definition der Menschenrechte, die Schaffung von Sozial- und Zivilpakt, welche Staatenpflichten sich für die Regierungen ergeben und welche weiteren internationalen Übereinkommen für die Eine Welt Arbeit bedeutsam sind. Einer kritischen Bewertung der Verbindlichkeit von internationalen Abkommen folgte eine Diskussions- und Fragerunde im Plenum, sowie die Zuordnung der Themen, der im Anschluss stattfindenden Workshops.

Ellen Weller (Global Marshall Plan Regionalgruppe München) übernahm zusammen mit Michaela Weis und Markus Behr (beide ebenfalls Global Marshall Plan) einen von fünf Workshops mit dem Thema "Lifestyle & Konsum – Menschenrechte im Alltag" in dem die vielfältigen globalen Konsequenzen unseres Konsumverhaltens einerseits, aber auch die Chancen und Möglichkeiten der weltpolitischen Einflussnahme von Verbrauchern und Konsumenten andrerseits bearbeitet wurden.

Nach den insgesamt sehr positiven Rückmeldungen der Teilnehmer ist geplant, weitere Fortbildungsveranstaltungen durchzuführen. Weitere Informationen und Kontakt unter muenchen@globalmarshallplan.org






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Lokalgruppentreffen in BayernLokalgruppentreffen in Bayern
Lokalgruppen der Global Marshall Plan Initiative und des Ökosozialen Forums treffen sich in Neumarkt

 

Als bereicherend und motivierend empfanden die Teilnehmer das Treffen der bayerischen Lokalgruppen des Ökosozialen Forums und der Global Marshall Plan Initiative in Neumarkt am 24. Juli. Obwohl das Wetter nicht richtig mitspielte fanden sich Vertreter der Gruppen München, Nürnberg, Erlangen, Schweinfurt, Neumarkt, des Ökosozialen Forums Deutschland und der Global Marshall Plan Foundation im Bürgerhaus in Neumarkt zusammen.

Neben einer allgemeinen Vorstellung und einem Austausch zu den Aktivitäten stand vor allem die Ideensammlung für zukünftige gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm. Die Organisation von Regionalkonferenzen wurde als eine wesentliche Idee festgehalten, um Menschen aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft für eine Ökosoziale Marktwirtschaft zu gewinnen. Wichtig sei vor allen Dingen der Hinweis, dass es um eine Verknüpfung verschiedener Ansätze und Instrumente für eine globale Veränderung der Rahmenbedingungen gehe. Diese system-verändernde Zielsetzung wurde auch als wesentliches Merkmal der Global Marshall Plan Initiative gesehen.

Ein Baustein und wesentlicher Schritt hin zu einer ökosozialen Marktwirtschaft in Deutschland und Europa könnte das Projekt Ökoethik sein. Lokale Gruppen könnten hier an die jeweiligen Verbände und Kammern in der Region herantreten und einzelne Wirtschaftssektoren verstärkt zur Kooperation bei der Durchsetzung ökosozial verantwortlichen Handelns anregen.

Nachdem man schon einige Erfolge bei dem Versuch den bayerischen Landtag von den Zielen des Global Marshall Plans zu überzeugen, erzielte, beschloss man auch hier weitere Schritte zu unternehmen. Wichtig wäre hier vor allen Dingen die Frage zu klären, welche Verpflichtungen ein Land oder eine Kommune eingehen und vor allen Dingen,

welche Schritte konkret unternommen werden sollen. Die Global Marshall Plan Foundation versprach hier Informationen bei anderen bereits vorhandenen Beschlüssen einzuholen. Weitere Ideen können gerne an das Koordinationsbüro gesandt werden.

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Die Global Marshall Plan Academy wächstDie Global Marshall Plan Academy wächst
Mit größerem Team und erweitertem Konzept in die nächste Runde

In Hamburg gewinnt ein Alumnus der Academy einen Freund für die Teilnahme am folgenden Lehrgang, gemeinsam betreuen sie heute die Aktivitäten der Regionalgruppe Hamburg. In Berlin, Stuttgart und München werden weitere Unterstützer für Lokalgruppen gewonnen und neue Aktivitäten entstehen. In Erlangen stellt ein Teilnehmer den Global Marshall Plan im Agendabeirat der Stadt vor und wird daraufhin mit der Lokalgruppe in den Beirat aufgenommen, in Stuttgart ist eine Veranstaltung mit der VHS im Gespräch, in Österreich gestalten Mitglieder des Ökosozialen Studierendenforums als Teilnehmer des Lehrgangs 2008 bereits einen kompletten Block des Lehrgangs 2009 und die Deutsche Gesellschaft Club of Rome unterstützt das Konzept seit 2009 offiziell. Dies sind nur einige Beispiele weswegen sich das Team der TrainerInnen der Global Marshall Plan Academy entschloss, das Konzept weiter auszubauen und zu ergänzen.

  

Nachdem in Schlierbach / Oberösterreich bereits im September 2007 ein erster Multiplikatorenlehrgang mit Beteiligung aus Deutschland stattfand und später Aktivitäten in Augsburg hinzukamen, konnten 2008 und 2009 die ersten beiden Global Marshall Plan Academy Lehrgänge mit jeweils vier Seminarwochenenden angeboten werden. Nach dem zweiten Lehrgang trafen sich nun die TrainerInnen für zwei Tage in Augsburg, um ihre Ideen und erhaltene Anregungen aus den vergangenen Lehrgängen in einem neuen Konzept einzubinden.

Dass die einzelnen Module von der inhaltlichen Gestaltung, der Beiträge und der diskursiven Prozesse der Teilnehmer leben, soll als Kern der Academy auch weiter beibehalten werden. Gleichzeitig werden die einzelnen Wochenenden aber inhaltlich stärker aneinander angepasst und abgestimmt. Die zukünftigen TeilnehmerInnen werden genauere Vorgaben der Erarbeitung von eigenen Themen bekommen und sollen auch über eigenständiges Arbeiten zwischen den Seminarwochenenden noch stärker eingebunden sein. Ebenso wurden die Elemente eines Gastreferenten und einer Exkursion pro Block als wesentlich in den Feedbacks der Alumni dargestellt, was die TrainerInnen dazu veranlasste die Liste der Referenten weiter auszubauen.

  

Moderiert wurde das Treffen von Ulrich Martin Drescher, der sich ab dem kommenden Lehrgang, neben Ellen Weller, Robert Pomes (beides Teilnehmer vorangeganener Lehrgänge) und Edwin Busl, auch als Trainer in einem Block einbringen wird.

Die Teilnehmerzahl soll auf 24 begrenzt werden. Weitere und aktuelle Informationen finden Sie in Kürze unter www.globalmarshallplanacademy.org und im nächsten Newsletter. Interessierte können sich gerne unter academy@globalmarshallplan.org melden.

 

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Schwenningen und Freiburg bekommen VerstärkungSchwenningen und Freiburg bekommen Verstärkung
Lokalgruppe Schramberg im Schwarzwald gegründet

Die "Schwarzwälder" Lokalgruppen Freiburg und Schwenningen bekommen Verstärkung. Am vergangenen Mittwoch, 4. August, haben sich nach einem Vortrag zur Energieproblematik und DESERTEC, Unterstützer der Global Marshall Plan Initiative in Schramberg im Schwarzwald zusammengefunden und beschlossen, sich zukünftig als Gruppe offiziell für weltweit veränderte Rahmenbedingungen einzusetzen und einen Global Marshall Plan als möglichen Ansatz zur Erreichung einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft zu fordern.

Die Gruppe zählt bereits knapp 10 Mitglieder und wird in den nächsten Wochen Aktivitäten ausarbeiten. Ansprechpartner der Gruppe ist der Schramberger Oberbürgermeister Dr. Herbert Zinell. Interessierte können sich unter schramberg@globalmarshallplan.org melden.

Einige Mitglieder der frisch gegründeten Gruppe und weitere Interessierte

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Nach der Krise ist vor der KriseNach der Krise ist vor der Krise
Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck, Senior Economist der UNCTAD in Genf

SF: Herr Flassbeck, Sie und Ihr Team hier bei der UNCTAD, der Organisation für Handel und Entwicklung der Vereinten Nationen haben eine Studie vorgelegt, die die These von der Effizienz der Märkte fundamental widerlegt. In allen möglichen Märkten, von den Aktienmärkten bis zu den Rohstoffmärkten haben Sie nahezu identische Bewegungen ausmachen können. So als ob all diese Märkte der gleichen Logik folgten. Was ist der Grund für diese eigenartige Gleichschaltung ganz unterschiedlicher Märkte?

Flassbeck: Der einfache Grund ist, dass in all diesen Märkten inzwischen dominant die gleichen Akteure tätig sind. Es sind die Akteure, die auch an den Finanzmärkten das große Spiel spielen und sie verhalten sich natürlich in allen Märkten ähnlich. Sie haben eine bestimmte Risikoerwartung. Wenn die Konjunkturindikatoren schlechter sind, dann erwarten sie, dass das Risiko für ihre Anlagen steigt und umgekehrt, wenn die Konjunkturindikatoren besser sind, dann erwarten sie, dass auch riskante Anlagen durchgehalten werden können. Deshalb erleben wir in allen Märkten das Gleiche. Ob Sie Öl nehmen oder Kupfer, oder Soja, oder Reis, oder bestimmte Währungen wie den brasilianischen Real oder andere solche Spekulationswährungen. Die gehen alle zur gleichen Zeit rein ins Risiko und gehen alle zur gleichen Zeit raus aus dem Risiko, sodass Sie eine völlig konforme Bewegung erleben. Und in den im Augenblick wird ja auch darüber diskutiert, dass selbst der Ölpreis fast 100% von Spekulationen bestimmt ist und eben nicht von Angebot und Nachfrage.

SF: Das heißt, die These, dass die Märkte die Preisfindung optimal erledigen könnten, ist falsch! Zumindest diese entfesselten Finanzmärkte verzerren die Preisbildung.

Flassbeck: Immer da, wo Finanzmärkte so dominant werden wie an den genannten Märkten entstehen massiv verzerrte Preise, weil diese eben nicht mehr von Angebot und Nachfrage abhängen, sondern von einer relativ blinden Erwartung, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung verbessert oder verschlechtert. Wenn es zu einem großen Schock kommt, - Dubai war so ein Schock, Griechenland ebenfalls- , würde das gesamte Gebilde kollabieren und wir hätten wieder viele Spieler, die überschuldet sind, weil sie auf Kredit gezockt haben. Dann müssten die Staaten wieder einschreiten. Insofern hat sich nichts geändert. Wir haben noch nicht einmal richtig verstanden, dass durch diese Finanzmärkte massive Verzerrungen in die realen Märkte hineingetragen werden.

SF: Das bedeutet aber auch, dass all die schönen Kommentare, die man in der Financial Times oder im Wall Street Journal lesen kann, über die Gründe, warum ein bestimmter Markt rauf oder runter geht, eine Devise auf oder abwertet, eigentlich für die Katz sind?

Flassbeck: Wenn ich mich morgens erheitern will, lese ich immer diese Kommentare, weil da intelligente Menschen sehr viel Gehirnschmalz darauf verwenden, um herauszufinden, warum seit einer Woche der Ölpreis steigt, ohne zu bedenken, dass es mit Öl absolut nichts zu tun hat. Das Ernste dabei ist, dass das ein politischer Sprengsatz ohne Gleichen ist. Denn wenn diese Märkte kollabieren, haben wir nicht nur auf der Finanzseite ein Problem sondern auch in der Realwirtschaft, die sich in ihren Dispositionen auf diese Preise eingestellt hat. Der Ölpreis ist immer noch der wichtigste Preis für einen fossilen Energieträger, der einen entscheidenden Einfluss auf die Klimapolitik hat. Wenn er wieder auf 30 Dollar fällt und da zwei Jahre verharrt kann man unendliche viele Investitionen in erneuerbare Energie schlicht vergessen. Darüber reden unsere Politiker nicht. Sie haben dieses Thema vollkommen ausgeblendet. Und deshalb sind wir wirklich in einer ganz gefährlichen Lage. Aber die Politik ist nicht bereit oder in der Lage, eine klare Diagnose dieser Probleme vorzunehmen.

SF: Geradezu menschenverachtend ist diese Verzerrung der Märkte im Bereich der Rohstoffmärkte, wo es um Nahrungsmittel geht.

Flassbeck: Nahrungsmittel sind unglaublich wichtig dabei. Ich glaube, die Deutsche Bank ist inzwischen der größte Zuckerhändler dieser Welt und viele Hedgefonds haben sich auf Nahrungsmittelmärkte sogar spezialisiert. Der Preis von Reis wird fast ausschließlich von der Spekulation getrieben. Da wird es natürlich auch moralisch mehr als bedenklich. Hier in Genf hat sich der Menschenrechtsrat deshalb mit dieser Frage auseinandergesetzt und gefragt, ob man das zulassen kann. Ich hoffe, dass es da zu einer größeren Diskussion und zu Beschlüssen kommt. Aber auch das wird von unserer Politik nicht
einmal zur Kenntnis genommen. Wir schließen systematisch die
Augen vor diesen Fragen, obwohl sie sich aufdrängen und tagtäglich die gesamte Welt beeinflussen.

SF: Für das so genannte „Herding“ also das Herdenverhalten in diesen von der Spekulation getriebenen Märkten haben Sie das schöne Bild des Stierlaufs in Pamplona gefunden, wo man mit den Stieren durch enge Gassen und möglichst vor ihnen weg rennen muss. Welche Rolle spielen hier die modernen Informationstechnologien, dass alle auf die gleichen Informationen zugreifen können, dass man eher auf die Reaktion der anderen Akteure achtet, als auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten?

Flassbeck: Das hat Keynes schon vor 80 Jahren beschrieben, dass das ein Schönheitswettbewerb ist und keine Suche nach Wahrheiten oder richtigen Preisen, sondern ein ständiges Abschätzen, Tarieren, wie denn die Konkurrenten wohl die Lage beurteilen. Durch die modernen Informationstechnologien ist das heute natürlich sehr viel rasanter geworden. Es gibt ja inzwischen Händler, die handeln im Sekundenbereich oder gar im Millisekundenbereich. Was wiederum den Markt überhaupt nicht effizienter macht, sondern nur dieses „Herding“ verstärkt, weil die Herde sehr viel schneller in eine bestimmte Richtung rennen kann. Sie kann auch schnell wieder kehrtmachen. Aber das sind ja alles keine Effekte, die uns irgendwie reicher machen, oder die der Gesellschaft irgendeinen Ertrag bringen. Das Einzige, was dabei herauskommt, sind kurzfristige Scheingewinne. Die Gewinne der Banken im Augenblick sind ja wieder Scheingewinne auf der Basis solchen Herdenverhaltens. Hinterher kommen die realen Verluste und die Gesellschaft muss wieder und wieder dafür eintreten. Deshalb müssen wir das abstellen, wir müssen dieses massive Herdenverhalten durch zwei Maßnahmen unterbinden. Wir müssen den Sand ins Getriebe werfen, von dem Tobin gesprochen hat: in das geölte Getriebe der Finanzmärkte muss man Sand streuen. Das andere ist, dass wir
einzelne Märkte vollkommen herausnehmen müssen. Es darf keine Spekulation mit Nahrungsmitteln geben, das ist für mich
selbstverständlich, und es darf keine Spekulation mit Währungen
geben, weil diese für die Volkswirtschaften den größten Schaden
anrichtet. Sie drängt die Preise systematisch in die falsche Richtung. Ganze Länder wie Island oder Ungarn oder Griechenland oder früher in Asien kollabieren, und das können wir einfach nicht zulassen.

SF: Die entfesselten Finanzmärkte werden also von ganz anderen Faktoren bestimmt, als man das in den Lehrbüchern der Makroökonomie nachlesen kann. Sie orientieren sich nicht nach den so genannten Fundamentaldaten. Gibt es eine Geschichte dieser Entwicklung? Kann man Etappen nennen, die zur gegenwärtigen Situation geführt haben?

Flassbeck: Es hat natürlich mit der allmählichen Deregulierung in den letzten dreißig, vierzig Jahren zu tun. Es gab ja ähnliche Erscheinungen während der Weltwirtschaftskrise von 1929. Das hat sich jetzt wiederholt, weil man alle Lehren, die damals gezogen wurden, wieder vergessen hat. Weil man bewusst alle Regulierungen wie beispielsweise den Glass-Steagall-Act, der eine Trennung in Geschäfts- und Investmentbanken vorsah, aufgehoben hat. Das empfand man schlicht als altmodisch, weil man ja wollte, dass die Banken das große Spiel spielten. Banker als bloße Kreditvermittler galt als eine verstaubte Vorstellung. Das muss man wieder zurückfahren. Obama hat ja einen vernünftigen Vorschlag in diese Richtung gemacht und gesagt, wir müssen bei den Banken wieder trennen, die reinen Kasinoaktivitäten, die wir nicht brauchen, und die klassischen Bankaktivitäten. Die traditionelle Funktion einer Bank läuft ja auf eine hoheitliche Aufgabe hinaus, für die die Zentralbanken
Geld zur Verfügung stellen. Das ist eine massive Subvention und die können natürlich nur Banken bekommen, die Kredite für produktive Investitionen in die Realwirtschaft vergeben und sonst nichts! Wenn eine Bank mit dem staatlich zur Verfügung gestellten Geld in die Kasinos rennt und dort die Preise in die falsche Richtung treibt, muss sie von dieser Subvention ausgeschlossen werden. Wir müssen identifizieren, was bringt für die Gesellschaft einen Ertrag und was bringt keinen. Geschäfte, die keinerlei Ertrag bringen, die nur gefährlich sind, müssen verboten werden.

Zum gesamten Text des Gesprächs (Quelle: dradio)

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IdeenAlm
IdeenAlm
Dialoge mit Weitblick

Parallel und in Partnerschaft mit dem Europäischen Forum Alpbach laden Mehrblick IdeenStudios und das Ökosoziale Forum vom 21. August bis zum 3. September zu Gesprächsrunden über nachhaltige Entwicklung auf eine Alm über dem Tiroler Ort Alpbach.

"Neuen, guten und mutigen Ideen für eine lebenswerte Zukunft müssen Flügel verliehen werden", beschreibt der Präsident des Ökosozialen Forums, Franz Fischler, der auch die Patronanz für dieses neue Projekt übernommen hat, die Idee dahinter. "Eine Alm ist dafür die optimale Startrampe."

Auf der IdeenAlm wird Nachhaltigkeit in seiner gesamten Bandbreite behandelt, von alternativer Energie, über Mobilität, Social Entrepreneurship, klimaneutrales Bauen & Wohnen, Lebensqualität uvm. Die PartnerInnen und vor allem die Gäste gestalten die Themen und die Dialoge wesentlich mit, denn die IdeenAlm soll bewusst einen offenen Raum bieten, um viele Facetten der Nachhaltigkeit zu diskutieren.

Einige besondere ExpertInnen, Blogger, JournalistInnen und Kreative werden während der zwei Wochen gezielt auf die IdeenAlm eingeladen. Die IdeenAlm ist aber kein Event, es gibt keine öffentlichen Veranstaltungen. Der breite Dialog soll im Social Web stattfinden.

Zur IdeenAlm im Web mit vielen weiteren Informationen kommen Sie auf diesem Weg.

Teaserbild: mehrblick


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Aktuelle Publikationen und Downloads...Aktuelle Publikationen und Downloads...
... des Ökosozialen Forums Europa

In der Rubrik "Publikationen und Downloads" des Ökosozialen Forums finden Sie regelmäßig aktuelle Informationen zu unseren Themen - Ökosoziale Steuerreform, Finanztransaktionssteuer, Entwicklungspolitik und vieles mehr - sowie Positionspapiere und Artikel oder Kommentare, die in unterschiedlichen Medien veröffentlicht wurden.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.oekosozial.at/index.php?id=13242

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Das erste Treffen ein voller Erfolg!Das erste Treffen ein voller Erfolg!
Lokalgruppe in Stuttgart wieder aktiv!

Ein informativer und angenehmer Abend - das Treffen der Stuttgarter Lokalgruppe war ein voller Erfolg. Nach einiger Zeit des Stillstandes formiert die Gruppe sich neu und sucht zum gemeinsamen Aufbau noch weitere Interessierte, die sich für einen Global Marshall Plan engagieren möchten!
Dabei werden regelmäßige Treffen am jeweils zweiten Donnerstag im Monat angestrebt. Das nächste Zusammenkommen findet am 12. August um 19.30 im Lichtblick statt. Das Thema wird dabei unter anderem "Lernende Organisationen und die Entwicklung zum Lebensunternehmer" sein. Und da so ein weiterbildender Abend in größerer Runde  gleich noch anregender ist, sind alle Interessierten herzlich dazu eingeladen, sich bei der Lokalgruppe zu melden. Fragen und Anregungen sind natürlich darüber hinaus ebenfalls willkommen.

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Global Marshall Plan an der Furtwangen UniversityGlobal Marshall Plan an der Furtwangen University
Veranstaltungsnachlese der Hochschulgruppe

VS-Schwenningen. Die Hochschulgruppe des Global Marshall Plan organisierte am vergangen Mittwoch ab 19 Uhr vor circa 50 Personen ein erfolgreiches erstes Vortragsevent. Volker Weber und Rainer Gottschalk konnten das Publikum mit interessanten Vorträgen begeistern. Die anschließende Podiumsdiskussion fesselte die Zuschauer bis 22 Uhr in den Räumen der Hochschule Furtwangen.

Die neu gegründete Hochschulgruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, nachhaltige Denkweisen an der Hochschule und in der Region zu verbreiten konnte mit ihrer ersten Veranstaltung bereits einen Erfolg verbuchen. An der Hochschule Furtwangen University Außenstelle Schwenningen trafen sich neben der Hauptgruppe der Initiative auch zahlreiche interessierte Studenten und Professoren um dem Gastredner der zum Thema „Nachhaltige Geldanlage – Gute Rendite, gutes Gewissen?!“ sprach, zuzuhören.





Durch den Abend führte der Donaueschinger Student Marius Gottschalk. Die Einführung in das Thema Nachhaltigkeit übernahm Dr. Rainer Gottschalk, Geschäftsführer der Powerfarm Holding in Donaueschingen. Ihm war es besonders wichtig, seine Zuhörer Wach zu rütteln und auf die immer stärker werdenden Probleme hinzuweisen, die ein nachhaltiges Wirtschaften „unbedingt erfordern“. „Wenn aus einem Wald mehr Holz herausgeholt wird als im gleichen Zeitraum nachwächst – dann ist das genau das Gegenteil von Nachhaltigkeit“. Dr. Gottschalk wies mit ausgewählten Statistiken auf die Probleme der Ressourcenknappheit, Urbanisierung und den Klimawandel hin. Eine Überleitung zum Hauptredner fiel im nicht schwer. „Wenn Märkte nur noch selten von realer Nachfrage, sondern durch Spekulationen getrieben werden, dann wird der Grad der Nachhaltigkeit auch in der Finanzwirtschaft klar.“

Volker Weber, Vorstand des Forums für nachhaltige Geldanlagen, ging in seinem Vortrag auf die Möglichkeiten und Erfolge der nachhaltigen Anlagen ein. Der Markt für Umwelttechnologien liege derzeit bei 1400 Milliarden Euro, in 10 Jahren wird sich dieses nach Angabe des Redners um mehr als verdoppeln. Warum also nicht in Unternehmen mit nachhaltigen Technologien investieren?! In seinem Vortrag zeigte Weber auch auf, dass man mit nachhaltigen Anlagen durchaus Profit machen kann. Im Vergleich der DAX Unternehmen mit dem Naturaktien Index zeige sich ein 250-prozentiger Renditeunterschied zu Gunsten der nachhaltigen Anlagen, so Weber. „Außerdem kann der CO2 Verbrauch bei Investitionen nachhaltige Geldanlagen um die Hälfte verringert werden“. Auch wurden die Auswahlkriterien der „Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften“ dargelegt, die mit ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien ein breites Spektrum abdecken. Abschließend wurden verschiedene Unternehmen und innovative Ideen zum Thema Nachhaltigkeit aufgezeigt.

Nach einer Pause fand dann eine Podiumsdiskussion zu verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit statt. Neben den beiden Rednern nahm auch der Student Torsten Frey, sowie Prof. Dr. Horstmeier, Ethik-Beauftragter der Hochschule Furtwangen, an der Diskussion teil. Die Diskutierenden konnten mit Fachwissen auftrumpfen und lieferten eine fachlich versierte, teilweise kontrovers geführte Diskussion. Es wurde unter anderem auf die BP Krise eingegangen, sowie auf globale Entwicklungen im Bereich der regenerativen Energien. Auch soziale Probleme wie Hunger und die ungerechte Verteilung der Ressourcen wurden nicht ausgespart.

Das Publikum hielt es trotz der Wärme und des schönen Wetters drei Stunden lang im Vorlesungssaal aus und nahm durch Wortmeldungen aktiv an der Diskussion teil. Im Anschluss an die Veranstaltungen zeigten sich Gäste und Teilnehmer sehr zufrieden.



Text: Hochschulgruppe Schwenningen

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Update Website

09. November: Update Website durchgeführt
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