17.03.2017 - 09:00

Hunger ist kein Schicksal

Nahrungsmittelmangel, extreme Dürre und Gewalt: Das Elend in Nigeria, Somalia, im Südsudan und Jemen ist unbeschreiblich hoch. 20 Millionen Menschen sind betroffen und hoffen auf Unterstützung. Deshalb müssen wir handeln.

Eigentlich reichen alle weltweit produzierten Lebensmittel aus, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren, so  die Welternährungsorganisation FAO. Eigentlich dürfte keiner der rund 7,39 Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, hungern. Eigentlich müsste die Zeit der Hungersnöte vorbei sein.

Doch die derzeitige Lage in Ostafrika und dem Nahen Osten zeigt ein anderes Bild. Hier sind 20 Millionen Menschen von der drohenden Hungersnot betroffen, das sind mehr als alle Einwohner Österreichs und der Schweiz zusammen. 
Laut UN-Angaben sind im Jemen derzeit 7 Millionen Menschen unterernährt. Die Anzahl von Menschen mit akuter Mangelernährung ist seit 2014, also  seit Beginn des Bürgerkriegs, um 200 Prozent gestiegen. 
In Somalia sind 6 Millionen Menschen, die Hälfte der Gesamtbevölkerung, von der Hungerkrise betroffen. Doch nicht nur das, denn außerdem herrscht Trinkwasserknappheit, was Cholera zur Folge hat. Durch monatelange Dürren im Land und anhaltende Konflikte zwischen Regierungstruppen und der „Al-Shabaab“-Miliz kam es hier zur enormen Lebensmittelknappheit.
Im Südsudan stehen eine halbe Millionen Menschen kurz vor dem Hungerstod. 5,5 Millionen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Der 2011 gegründete Staat befindet sich seit drei Jahren im Bürgerkrieg. Die bewaffneten Konflikte durchziehen das ganze Land, Ernteerträge und Felder brennen ab, die Wirtschaft ist lahmgelegt und die 800-Prozent- Inflation führte zum enormen Anstieg der Lebensmittelpreise .
In Nigeria, einem Land, das durch die andauernden Gefahren der Terrormiliz „Boko Haram“ und einer tiefen Wirtschaftskrise gebeutelt ist, leiden eine halbe Million Kinder an extremer Fehlernährung. Ohne Nahrungsmittelhilfe sterben sie den Hungerstod. Eine halbe Millionen, das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Leipzig oder Bonn. Weitere 5,1 Millionen Menschen müssen mit weniger als einer Mahlzeit am Tag überleben.

In den Zeitungen und im Fernsehen sehen wir täglich Fotos von Kleinkindern, die nicht mehr als Haut und Knochen sind. Wir sehen Tierkadaver, die in der Wüste vertrocknen. Wir sehen Eltern, die versuchen ihren Kindern im weitentfernten Flüchtlingslager Hilfe zu holen. Wo es doch keine Hilfe gibt, weil auch dort Nahrungsmittel knapp sind und Medikamente zur Neige gehen.
All das macht sprachlos. Die Probleme der Welt scheinen zu groß, als dass wir sie bewältigen können. Doch Ohnmacht ist der falsche Weg um eine Veränderung für die Hungernden zu bewirken.

Der UN-Nothilfekoordinator O'Brien spricht von der „größten humanitären Katastrophe seit Gründung der Vereinten Nationen“.

Internationale Unterstützung und finanzielle Hilfe könnten dennoch das Schlimmste verhindern. 
Doch bislang sind erst 10 Prozent der benötigten Hilfsgelder eingetroffen. Entwicklungsminister Gerd Müller beklagte auf dem Afrika-Wirtschaftsforum , dass "der UN-Generalsekretär  mit dem Klingelbeutel betteln muss,  damit er sage und schreibe drei Milliarden zusammenbringt", während weltweit 1600 Milliarden Dollar ins Millitär gesteckt würden.

Um in Notsituation wie dieser Millionen Menschenleben zu retten, sind Spenden dringend notwendig. Darüber hinaus muss aber auch langfristig gedacht werden.

Es reicht nicht aus die Symptome einer Krankheit zu lindern und zu helfen, wenn es schon fast zu spät ist. Das Ursprungsproblem sind nicht Hungersnöte und Flüchtlingsströme, sondern ein krankendes System. Die Ursachen müssen bewältigt werden, nur so können auch die Symptome verschwinden.

Denn die Gründe für die Hungersnot sind menschengemacht. Krieg, Klimawandel und skrupellose Wirtschaftspolitik arbeiten hier zusammen und verhindern eine ausreichende Nahrungsmittel-versorgung aller Menschen. Auf eine Hungerskrise folgt die nächste und die Abstände dazwischen werden immer kleiner. 
Deshalb müssen wir uns gemeinsam einsetzen für faire globale Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft, für nachhaltige Entwicklung, für die ökologische Gestaltung der Globalisierung und für eine Welt in Balance.


Eigentlich reichen alle weltweit produzierten Lebensmittel aus, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren. Eigentlich.

 

von Dorothea Föcking

 

Mehr Informationen zum Thema finden Sie in unserem Buchabo und im Shop:

Balance oder Zerstörung: Ökosoziale Marktwirtschaft als Schlüssel zu einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung von Franz Josef Radermacher, 2002

Ernährung sichern – Weltweit: Ökosoziale Gestaltungsperspektiven von Franz-Theo Gottwald & Franz Fischler (Hrsg.), 2008

Solidarität die ankommt: Ziel-effiziente Mittelverwendung in der Entwicklungszusammenarbeit von Global Marshall Plan Initiative (Eds.), 2006

Wie kommt der Hunger in die Welt: Ein Gespräch mit meinem Sohn von Jean Ziegler, 2000




Bildquellen:
Abb 1: healthnewsng.com
Abb 2: maxpixel.freegreatpicture.com