15.08.2016 - 11:15

Mehr als nur Fleisch – Tierhaltung in der Ökosozialen Landwirtschaft

„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt“ sagte bereits Mahatma Gandhi. Gemessen daran dürften die meisten Industrienationen, allen voran Deutschland, noch sehr weit zurück liegen. Das Schreddern von Küken, der massenhafte Einsatz von Antibiotika, Tiere, die auf engstem Raum zusammengepfercht werden, all das ist noch trauriger Alltag in der deutschen Massentierhaltung. Überdies hat der Agrarsektor maßgeblichen Anteil an den deutschen Treibhausgasemissionen[1] und wie man aktuell an der Milchpreiskrise sehen kann, führt das aktuelle System der Massentierhaltung sogar dazu, dass die Erzeuger davon nicht mehr leben können. Deshalb ist auch in der Landwirtschaft ein Wandel hin zu einer Ökosozialen Landwirtschaft dringend nötig, doch wie kann eine solche überhaupt aussehen?

Obwohl der Fleischverbrauch der Deutschen in den letzten 20 Jahren gesunken ist, wurde die Fleischproduktion deutlich ausgeweitet. So wurden 1994 nach Zahlen des statistischen Bundesamtes beispielsweise 2,7 Millionen Tonnen Schweinefleisch produziert, 2014 lag diese Zahl schon bei 5,5 Millionen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Deutschland zu einem der weltweit größten Exporteure für Billigfleisch aufgestiegen ist, gleichzeitig ist aber die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe rapide gesunken. Ziel einer ökosozialen Marktwirtschaft ist es ,diese Entwicklung wieder rückgängig zu machen, denn je größer der Betrieb, desto wahrscheinlicher, dass die Tiere nicht mehr als Tiere, sondern als Ware angesehen werden und dementsprechend behandelt werden.

Nach dem Motto „höher, schneller, weiter“ wird in der modernen Massentierhaltung nicht nur an der kostenoptimalen Haltung der Tiere gefeilt, sondern auch die Tiere selber werden auf Höchstleistung getrimmt. Dadurch ist auch die Artenvielfalt in Gefahr. Viele Rinder- oder Schweinearten finden in der konventionellen Tierzucht keine „Verwendung“ mehr, sei es weil sie nicht schnell genug Fleisch ansetzen oder weil sie nur einen Bruchteil der Milchproduktion von „Hochleistungsrindern“ wie dem Simmentaler Rind liefern können. Die ökosoziale Landwirtschaft hat sich zum Ziel gesetzt, diese bedrohten Arten zu bewahren.

Doch nicht nur die Tiere leiden unter der intensiven Landwirtschaft wie sie heute betrieben wird, auch für die Menschen werden die Auswirkungen in zunehmendem Maße spürbar. Beispielsweise entstehen durch den maßlosen Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht antibiotikaresistente Keime, die für Menschen schwerwiegende Folgen haben können. So sterben in Deutschland Schätzungen zufolge pro Jahr bis zu 40.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. 2015 machte der BUND Schlagzeilen mit einer Studie, nach der 88% der Stichproben von Discounter-Putenfleisch antibiotikaresistente Keime enthielten. Wie auch allgemein in der Bio-Landwirtschaft üblich, gilt es in einer ökosozialen Landwirtschaft deshalb den Antibiotikagebrauch deutlich zu reduzieren und nur noch fallspezifisch anzuwenden.

Dass eine andere Art der Tierhaltung möglich ist zeigen Höfe wie das Klostergut Schlehdorf, auf dem eine ökosoziale Tierhaltung bereits heute praktiziert wird. Hier wird nicht primär auf eine Leistungsmaximierung der Tiere geachtet. Dementsprechend werden Tierarten gehalten, die aufgrund der modernen Massentierhaltung vom Aussterben bedroht sind, sei es weil sie nicht genug Milch geben oder zu wenig Fleisch ansetzen. Auch werden die Tiere nicht mehr als bloße Ware, sondern als Lebewesen gesehen und dementsprechend behandelt. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich dieses Denken auch bei den über 90% der deutschen Landwirtschaftsbetriebe durchsetzt, die immer noch an der konventionellen Landwirtschaft festhalten, damit wir endlich, ganz im Sinne Gandhis, von der moralischen Steinzeit in die Moderne vorstoßen können.

[1] Laut Umweltbundesamt war die deutsche Landwirtschaft 2014 für 7,3% der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich, bei Methan sogar für 58% der Emissionen


Weitere Infos zum Thema  gibt es hier:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fleischproduktion-in-deutschland-was-sie-ueber-massentierhaltung-wissen-sollten-1.1899021
http://www.zeit.de/kultur/2015-09/massentierhaltung-tierschutz-10nach8
http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-08/massentierhaltung-schweinemast-interview-jungbluth
http://www.sonnenseite.com/de/wirtschaft/wer-billig-kauft-hat-umweltzerstoerung-gentechnik-und-tierleid-im-einkaufswagen.html
http://www.bund.net/fleischatlas
http://mutbuerger.cc/filme-auf-dvd/der-oekosoziale-weg