"Wie kapitalistisch ist die angestrebte Ökosoziale Marktwirtschaft und was sind die Schlüsselmerkmale ihrer marktwirtschaftlichen Felder?"

Ökosoziale Marktwirtschaft ist nicht kapitalistisch! Unter "kapitalistisch" verstehen wir ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, in welchem die "Kapitalinteressen" (möglichst hohe Rendite für eingesetztes Kapital, "Shareholder Value" etc.) im Vordergrund stehen. Darin besteht auch die große Gefahr des derzeitigen "Neo-Kapitalismus": Unternehmensführungen stehen unter einem enormen Druck, immer wieder kurzfristig hohe Gewinne bzw. Kapitalrenditen ausweisen zu müssen. Das geht einerseits zu Lasten der Arbeitnehmer und erschwert andererseits längerfristige, auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmensstrategien.

In der Ökosozialen Marktwirtschaft sprechen wir daher bewusst von "Marktwirtschaft". Darunter verstehen wir eine höchst leistungsfähige Wirtschaft mit Schwerpunkten in Produktion, Wertschöpfung und Dienstleistungen. Die Ziele sind: Werte schaffen, hohe Kaufkraft für möglichst viele Menschen, hohes Einkommensniveau und breite Eigentumsstreuung.

Dazu ein recht aufschlussreiches Zitat vom "Vater der Sozialen Marktwirtschaft", Ludwig ERHARD, aus dem Jahre 1977: "Nicht die freie Marktwirtschaft des liberalistischen Freibeutertums einer vergangenen Ära, auch nicht das „freie Spiel der Kräfte“ und dergleichen Phrasen, sondern die sozial verpflichtete Marktwirtschaft, die das einzelne Individuum zur Geltung kommen lässt, die den Wert der Persönlichkeit obenan stellt und der Leistung dann auch den verdienten Ertrag zugute kommen lässt, das ist die Marktwirtschaft moderner Prägung."

Die drei "strategischen Eckpunkte" im Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft lassen sich stichwortartig so zusammenfassen:

 

"Marktwirtschaft“:
Ziel ist eine leistungsfähige, wettbewerbsstarke Wirtschaft (auch im Sinne der Lissabon-Strategie):

  • Forschung, Entwicklung, Innovation.
  • Leistungsbarrieren abbauen: Überregulierung, unnötige Bürokratie.
  • Leistungsanreize ausbauen: Steuer- und Abgabensystem, Förderungssystem.
  • Stärkung der regional verankerten mittelständischen Unternehmen!

 

"Soziales":
Ziel ist soziale Fairness – lokal und global - mit neuer Phantasie.

  • Leistungsfähigkeit und Finanzierbarkeit des Sozial- und Gesundheitssystems für die Zukunft absichern – z.B. durch Verbreiterung der Bemessungsgrundlage.
  • Voraussetzungen für familiäre, gemeinschaftliche und private Betreuungsdienste verbessern.
  • Vielfältige Netze der Solidarität schaffen.
  • Globale Solidarität!

 

"Ökologie":
Die Kräfte des Marktes für das Ziel NACHHALTIGKEIT mobilisieren!

  • Striktes Verursacherprinzip! Ökologische Wahrheit bei der Gestaltung von Preisen und Kosten – Wettbewerbsvorteile für das schaffen, was nachhaltig ist.
  • Ökosoziale Steuerreform: Längerfristiger Umbau der Steuern und Abgaben zu Gunsten der Menschen und der Nachhaltigkeit.
  • Änderung der Gesetze, Verordnungen und Förderungssysteme zugunsten der Nachhaltigkeit.
  • Strikte Produktdeklaration, transparente Produktwahrheit.
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